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Es war einmal im Schwarzspanierhof …

Ein geschichtsträchtiger Ort:

„Im Himmel werde ich hören!“ (Ludwig van Beethoven zugeschrieben, 1827 im Schwarzspanierhof)

Die Tierarztpraxis im Schwarzspanierhof in Wien Alsergrund besteht seit über 30 Jahren an diesem Standort. 2013 hat Tzt. Usha Patel die Ordination übernommen, erweitert, generalsaniert und mit neuester diagnostischer Technik ausgestattet. Im Schwarzspanierhof treffen heute modernes Praxismanagement und Qualitätssicherung auf den Charakter eines Gebäudes aus der Jahrhundertwende und den Charme eines „Altwiener Grätzels“ (siehe dazu auch: „Wie arbeiten wir?“).

Die Schwarzspanierstraße 15, in der sich die Tierarztpraxis befindet, ist bekannt als der “Schwarzspanierhof” oder das  “Schwarzspanierhaus”. Es handelt sich um einen denkmalgeschützten Gebäudekomplex mit mehreren Höfen, in welchem sich Wohnungen, (Geschäfts-) Lokale, Arztpraxen und verschiedene medizinische Einrichtungen befinden. Der Schwarzspanierhof ist eine Wiener Sehenswürdigkeit und ein Ort von beachtlichem historischen Interesse:

Geschichte des Schwarzspanierhofes

Die spanische Benediktinerkongregation von Santa Maria de Montserrat baute im 17. Jahrhundert in der Alservorstadt (heute, die an das Schottentor angrenzenden Teile des achten und neunten Bezirks) ein Kloster mit großem Garten. Wegen ihres Ordenskleides wurden die Mönche vom Volksmund die „schwarzen Spanier“ genannt. Im Zuge der Säkularisierung 1781 gestaltete man das ehemalige Prälaturgebäude, das sogenannte Schwarzspanierhaus, zu einem Mietshaus um. Direkt am noch unverbauten Glacis gelegen bot die Immobilie damals einen freien Blick auf die Innere Stadt und die Stadtmauer. In der Folge wurde der Klostergarten parzelliert und verbaut und es entstand die Beethovengasse. Das weitläufige Gelände des Schwarzspanierhofes wechselte mehrfach seine Besitzer und wurde schließlich 1845 durch das Stift Heiligenkreuz erworben. Dieses schrieb 1904 einen Wettbewerb für den Neubau aus und das ursprüngliche Gebäude (Schwarzspanierstraße Nr. 15, ehemals Alser Glacis Nr. 200) wurde nach den Plänen des k.u.k. Architekten Gustav Flesch-Brunningen durch den “neuen Schwarzspanierhof” ersetzt. Zum Teil wurden dabei ältere Gebäudeteile integriert - der Bereich in dem sich die Tierarztpraxis befindet stammt aus 1864.

Vor dem Haus befinden sich Steine der Erinnerung an 36 jüdischen Frauen und Männer, die hier einmal gelebt haben, ehe sie während der Zeit des Nationalsozialismus von den Schergen des Regimes deportiert wurden.

Die angrenzende barocke Klosterkirche, die Schwarzspanierkirche, erlebte ebenfalls eine sehr wechselvolle Geschichte und beherbergt heute das Albert Schweitzer Haus – die Straßenfassade besteht noch im Original.

Im Lauf der Jahrhunderte haben bekannte Persönlichkeiten im Schwarzspanierhof gewohnt bzw. gearbeitet, zwei davon zieren als Büsten das Eingangsportal: links Nikolaus Lenau und rechts Ludwig van Beethoven.

Ludwig van Beethoven

Ludwig van Beethoven (1770 – 1827), verbrachte – an Leberzirrhose erkrankt und völlig ertaubt – seinen Lebensabend in seiner Wohnung im zweiten Stock des Schwarzspanierhauses und verstarb hier am 26. März 1827  (Beethoven-Sterbehaus). Über zwanzigtausend Menschen, darunter viele Prominente, versammelten sich am Glacis vor dem Schwarzspanierhof um den Leichenzug zur Einsegnung in die Alserkirche und schließlich bis zum Währinger Ortsfriedhof zu begleiten. Die Schulen blieben am Tag des Begräbnisses von Beethoven in ganz Wien geschlossen. Der Leichnam wurde später zweimal exhumiert und fand seine endgültige Ruhestätte in einem Ehrengrab der Stadt am Wiener Zentralfriedhof. Beethoven gilt als der Vollender der Wiener Klassik und wichtigster Wegbereiter der Romantik. Eine Instrumentalfassung des Hauptthemas “Ode an die Freude” aus dem letzten Satz seiner neunter Sinfonie wurde zur Hymne der Europäischen Union und des Europarates. So bedeutende Werke wie die Streichquartette B-Dur op. 130 und cis-Moll op. 131 sowie “Beethovens letzter musikalischer Gedanke” sind in den Jahren 1825-1827 im Schwarzspanierhof entstanden. Hier sprach er angeblich auch seine berühmten letzten Sätze – wovon mehrere überliefert sind: „Plaudite, amici, comedia finita est!“ (Freunde applaudiert, die Komödie ist zu Ende!) und „Schade, schade zu spät!“ bezogen auf seine letzte Weinlieferung oder eben auch das Zitat vom Anfang dieser Seite.

Nikolaus Lenau

Kurz nach Beethovens Tod bewohnte ein weiterer berühmter Name, der Dichter Nikolaus Lenau (eigentlich Nikolaus Franz Niembsch Edler von Strehlenau, 1802 – 1850), für einige Jahre das Schwarzspanierhaus. Der im Banat geborene Lenau residierte hier intermittierend in den Jahren 1830 bis 1835 (unterbrochen durch Besuche in Deutschland und eine zehnmonatige Amerika Reise) im Haushalt seiner Schwester und seines Schwagers. Er führte bis zu seinem Zusammenbruch 1844 ein unruhiges Wanderleben, seine letzten Jahre verbrachte er schließlich geistig umnachted in der Nervenheilanstalt in Oberdöbling bei Wien. Lenau ist der größte lyrische Dichter Österreichs im 19. Jahrhunder. In der deutschen Literatur ist er der typische Vertreter des “Weltschmerzes” und ein wichtiger Repräsentant des Biedermeier und der Naturlyrik (Schilflieder). Zahlreiche seiner Lieder wurden vertont, u.a. von Robert Schumann, Franz Liszt, Felix Mendelssohn Bartholdy und Richard Strauss.

Johann Conrad Blank

Einige Jahrzehnte vor Beethoven und Lenau wirkte der Theologe, Gelehrte und Mathematiker Johann Conrad Blank (1757 – 1827) im Schwarzspanierhof. Der aus Vorarlberg stammende Blank studierte in Wien Theologe und Philisophie. Er wurde in den Benediktinerorden der Schwarzspanier aufgenommen und erhielt ebendort 1782 die Priesterweihe. Nach Auflösung des Klosters arbeitete er als Hofmeiser (Hauslehrer) und wandte er sich vor allem mathematischen Studien zu. Er wurde mit der Lehrkanzel für Mathematik im Theresianum betraut und Mitglied im akademischen Rat. Blank verfasste eine Reihe bedeutender Hand-und Lehrbücher sowie eine Logarithmentafel. Sein gewaltsamer Tod (nur wenige Wochen vor Beethovens Ableben) und der darauffolgende Strafprozess, der letztendlich in der öffentichen Hinrichtung des Raubmörders Severin von Jaroszinsky mündete, erregten im damaligen Wien großes Aufsehen.

Otto Weininger

Schließlich noch wählte der umstrittene jüdisch-protestantische Philosoph und Schriftsteller Otto Weininger (1880 – 1903) erst 23-jährig demonstrativ den Schwarzspanierhof für seinen Freitod. Sein von fragwürdigen Theorien durchsetztes Hauptwerk “Geschlecht und Charakter” wurde daraufhin für einige Zeit zu einem Kultbuch und Bestseller. Auf seinem Grabstein im evangelischen Friedhof von Matzleinsdorf ist zu lesen: „Dieser Stein schliesst die Ruhestätte eines Jünglings, dessen Geist hiernieden nimmer Ruhe fand … Er suchte den Todesbezirk eines Allergrössten im Wiener Schwarzspanierhause und vernichtete dort seine Leiblichkeit.“

Quellenverzeichnis:
(ohne Anspruch auf Vollständigkeit)
Bezirksmuseum Alsergrund
Felix Czeike, Historisches Lexikon Wien, Verlag Kremayr & Scheriau, Wien 1992–2004.
Wolfgang Wirsig, Sammlung der Wiener Hofnamen. Herkunft der Bezeichnung, frühere Bezeichnungen, Geschichte und Architektur, Baujahr, Bauherren, Architekten und Baumeister. Wien 2015 (Manuskript im Wiener Stadt- und Landesarchiv).
Wiener Geschichtsbücher Band 2; Das Schwarzspanierhaus; Peter Pötschner; Paul Zsolnay Verlag, 1970.
Der Schwarzspanierhof, Diplomarbeit Universität Wien, Kar A. Ernst; 2012.
Thayer, Alexander Wheelock; Krehbiel, Henry Edward; Deiters, Hermann; Riemann, Hugo (1921).
The life of Ludwig van Beethoven, volume 3 (2nd ed.). The Beethoven Association. OCLC 422583.
Carl Gibson: Lenau. Leben – Werk – Wirkung. (= Beiträge zur Literaturgeschichte. Band 100). Universitätsverlag, Heidelberg 1989.
Vorarlberg, aus den Papieren… (Franz Joseph Weizenegger, T. Merkle; Verlag Wagnersche Buchhandlung, IBK 1839).
http://www.rechenschieber.org/Blank.pdf (Gerlnde Faustmann, Wien 2008).
Emil Lucka: Otto Weininger. Sein Werk und seine Persönlichkeit. 6. Aufl. Schuster & Löffler, Wien 1921.
Traum und Wirklichkeit Wien 1870 – 1930. 93. Sonderausstellung des Historischen Museums der Stadt Wien, Karlsplatz im Künstlerhaus 28. März bis 6. Oktober 1985, Broschüre der Stadt Wien 1985 (Herausgeber).